Für Erhalt und Wiederbelebung der Hirtenkultur: Der Verein „Hirtenkultur Südtirol VFG“ gründet sich
Kai Metzing
Beweidung - und Menschen, die Weidetiere führen, prägen seit Jahrhunderten die Kulturlandschaften und leisten einen essentiellen Beitrag für die Förderung von Biodiversität, sowie für die Vernetzung von Ökosystemen. Über lange Zeit strukturierte sich die Nahrungsmittelproduktion und somit Arbeit und Leben der Landbevölkerung um Weidetiere. Es bildeten sich in vielen Regionen der Welt Hirtenkulturen heraus, deren Relikte zum Beispiel in Märchen und Legenden oder als Flurnamen, noch heute präsent sind.
Intensive, Industrielle Landwirtschaft, Agrarindividualismus, Privatisierungen und Flurbereinigungen verdrängten mit der Zeit Hirt:innen und Weidetiere aus dem Landschaftsbild Mitteleuropas mit dramatischen sozialen und ökologischen Folgen. Auch in den Alpen führten und führen sich verändernde Nutzungsformen (insb. Bezüglich Beweidung und Mahd) zu Veränderungen in der Kulturlandschaft, wie z.Bsp. Zur Verbuschung und Verwaldung von Almenflächen.
Allzu häufig führen diese Veränderungen zu einem Verlust an Biodiversität und im Fall der Almenflächen auch zu einem Verlust an Flächennutzbarkeit für die Lebensmittelproduktion. Das Verschwinden von Hirtenkultur bedeutet/e außerdem einen Verlust an traditionelle ökologischen Wissen –
Das Wissen um die nachhaltige Nutzbarkeit von für Menschen häufig kaum anders als zur Beweidung nutzbarem Land; Das Wissen um die Nutzbarkeit von Gräsern und Kräutern; oder das Wissen um den Schutz von Weidetieren gegen Raubtiere.
Der Verein Hirtenkultur widmet sich diesem problematischen Nexus und bildet eine Plattform zur Vernetzung und für den Wissenstransfer von Hirt:innen, Bäuer:innen, Wissenschaftler:innen und Stakeholdern des Umwelt- und Klimaschutzes. 2020 wurde der Verein in Österreich gegründet. Neben interner Vernetzung und Hilfeleistung gehören gehören Flächen- und Weidetiervermittlung, Öffentlichkeitsarbeit, politische Interessenvertretung und Forschung zu den Tätigkeiten des Vereins Hirtenkultur. Seit 2023 Ist der Verein außerdem mit einer Landschaftspflegeherde aktiv und setzt Standards in der fairen Bezahlung von Hirt*innen, sowie in der gezielten naturschutzfachlichen Beweidung.
So konnten bereits in mehreren wissenschaftlich begleiteten Projekten mehr als 100ha in Österreich beweidet werden.
Nach diesem Vorbild und in enger Verbindung zum Österreichischen Mutterverein gründet sich der Verein Hirtenkultur Südtirol VFG. Am Freitag, den 30.10.2026 fanden sich die Gründungsmitglieder in Bozen zum Beschluss der Statuten und zur Vorstandswahl zusammen.
Schon jetzt sind Mitglieder des Vereins mit einer Vereinsherde bestehend aus Schafen und Ziegen in Südtirol aktiv und tragen zu Förderung und Erhalt von Biodiversität bei. Im Rahmen des durch die EU kofinanzierten Interreg Italien-Österreich (IT-AT) Projekts „WeideWert“ arbeiten die Hirt*innen mit den Projektpartnern EURAC Research, B*Coop Brixen und dem Land Tirol zusammen, um gelenkte Weideführung als naturbasierte Maßnahme der Landschaftspflege in den Projektregionen Südtirol und Tirol zu etablieren.
Hirtenkultur Südtirol VFG wird in den kommenden Wochen seine Arbeit aufnehmen und sich sowohl praktisch als auch theoretisch mit Themen rund um Tierhaltung, Beweidung und Hirtenwesen beschäftigen.
Der Verein freut sich über Interesse und Anfragen zur Mitgliedschaft unter: Kai.Metzing@hirtenkultur.at
